Botanik in einer Minute: Paraguayische Professorin und Forscherin fördert Wissenschaft im digitalen Ökosystem
Die paraguayische Professorin und Forscherin Lidia Pérez, Gewinnerin des paraguayischen Wissenschaftspreises 2025, feiert drei Jahrzehnte ihres Schaffens mit einer neuen Herausforderung. Mit fast 70 Jahren demokratisiert sie die Wissenschaft und vermittelt Botanik über Videos in den sozialen Medien an Tausende von Followern. Lidia wurde in Villa del Rosario im Departement San Pedro geboren und wuchs dort bei ihren Großeltern auf. 1973 kam sie mit dem festen Traum, Lehrerin zu werden, nach Asunción. Doch ihr Schicksal nahm eine unerwartete Wendung, und sie studierte Agrartechnik, die sie 1980 abschloss. Ihre wachsende Leidenschaft für Wissenschaft und Natur führte sie zur Koordination des Nationalen Biologischen Inventars, einem ambitionierten Projekt, das die Entstehung der Pflanzensammlung des heutigen Naturkundemuseums ermöglichte. „Wir reisten durch ganz Paraguay und sammelten Pflanzen für das Herbarium, erinnert sie sich. Ihr unstillbarer Wissensdurst trieb sie über Grenzen hinweg. Nach Praktika im Botanischen Garten von Missouri und der Smithsonian Institution in den Vereinigten Staaten traf sie 1991 eine bemerkenswert mutige Entscheidung: Sie ging nach Deutschland, um an der Universität Göttingen einen Master in Tropenforstwirtschaft zu absolvieren. Begleitet wurde sie dabei nur von ihren beiden Töchtern im Alter von neun und vier Jahren. „Ich habe das gesamte Masterstudium mit ihnen zusammen abgeschlossen, und beide haben Deutsch gelernt“, erzählt sie mit echtem Stolz.
30 Jahre Lehre und ein unschätzbares Vermächtnis für die Biodiversität
Nach ihrer Rückkehr nach Paraguay trat Professorin Lidia 1997 der Fakultät für Agrarwissenschaften (FCA) der Nationalen Universität von Asunción bei. Heute, kurz vor ihrem 30-jährigen Jubiläum als ununterbrochene Lehrerin, ist sie eine tragende Säule der forstwirtschaftlichen Ausbildung des Landes und unterrichtet spezialisierte Kurse wie Systematische Botanik, Holzanatomie und Dendrologie. Ihr größtes Vermächtnis für den Naturschutz begann vor 25 Jahren mit der Einrichtung permanenter Beobachtungsflächen. Heute leitet er ein Netzwerk von 46 Forschungseinheiten, die jeweils einen Hektar groß sind und strategisch über die Nationalparks und Reservate des Landes verteilt liegen.
Der große Sprung in die Netzwerke: Wissenschaft im digitalen Ökosystem fördern
Mit fast 70 Jahren beweist Lidia, dass die Berufung zum Lehren über traditionelle Klassenzimmer hinausgeht. Obwohl sie zugibt, vor zehn Jahren ihr erstes Smartphone aus Angst vor der Technik im Schrank versteckt zu haben, ist sie heute eine begeisterte Anhängerin der digitalen Welt. Den letzten Anstoß gaben ihre Kollegen und der Moderator Chiche Corte, die ihr während einer Expedition für „Giganten der Erde“ die entsprechenden Konten einrichteten. Aktuell tauscht sie sich in über 30 WhatsApp-Gruppen mit ihren ehemaligen Studenten aus und beantwortet deren botanische Fragen. Dabei identifiziert sie Pflanzenarten anhand von Fotos, die sie im Gelände aufgenommen hat. Der eigentliche Durchbruch gelang ihr jedoch erst vor einem Monat mit ihrer innovativen Kurzvideo-Serie „Botanik in einer Minute“ auf Instagram. Die Initiative war ein sofortiger und überwältigender Erfolg: Ihr Account verzeichnete in Rekordzeit einen Anstieg der Follower von 3.600 auf über 9.000. „Wir müssen mutig sein. Die Inhalte müssen absolut wissenschaftlich fundiert sein, aber in einer leicht verständlichen Sprache vermittelt werden, die jeder – vom Kind bis zum Senior – versteht“, sinniert sie. Ein gutes Beispiel dafür war der Erfolg ihres Videos über den Amba’y-Baum und seine einzigartige Symbiose mit Ameisen, das Kinder tief beeindruckte und internationale Interaktion auslöste.
Für die Forscherin stellen digitale Plattformen eine Fortsetzung ihrer Arbeit im universitären Hörsaal dar. Sie achtet penibel darauf, dass jedes veröffentlichte Material verifizierte Informationen enthält, die durch ihre jahrzehntelange empirische Erfahrung bereichert werden. „Wir laden ein kurzes Video hoch, und es erreicht sofort tausend Aufrufe. Das ist aufregend und spornt an, sich weiterzuentwickeln“, resümiert die Frau, die ihr ganzes Leben dem Schutz und der Erforschung der paraguayischen Wälder gewidmet hat und nun in den sozialen Medien den fruchtbarsten Boden gefunden hat, um die Saat der Wissenschaft weiter zu säen.









